
Die ganzheitliche Marktwirtschaft
- Radikal Liberal – Radikal Sozial -
Denk ich an Adam Smith kurz vor der Nacht
bin ich um meinen Schlaf gebracht.
Ein Gläubiger, so hört man sagen,
der wollt den großen Umbruch wagen.
Er wollt das Christentum vereinen
mit Wirtschaftslenkern und den Seinen.
Doch hat er stets dabei vergessen,
den Menschen, diesen Ich-Bess’nen.
Die Nächstenlieb‘ so dachte er,
bringt Gleichheit auf dem Markte her.
Doch wo der Mensch hat seine Hände,
da stöß die Nächstenlieb' an seine Grenze.
Und so wird aus der Guten Tat,
das Elend was den Menschen plagt.
Gepfercht in Hallen des Kommerz‘,
wird der Profit aus Menschenschmerz.
Adam Smith, geprägt von seiner Zeit und seinen Glauben, gilt heute als der Urvater des Liberalismus.
Jenes Liberalismus in welchen Freiheit nur dann existiert wenn sie nicht nur den Menschen vom Joch der Sklaverei befreit sondern den Markt und seine Teilnehmer absolute Freiheit in ihrem Handeln garantiert und sichert.
Adam Smith richtete seine Lehre an seinem christlichen Weltbild und den sozialen Verhältnissen seiner Zeit aus. Ganz im Gegenteil zu Marx, welcher beides überwinden wollte.
Wollte Marx den Glauben durch Rationalität ersetzen und die Gesellschaftspyramide um 180 Grad drehen, so wollte Smith seinen Glauben auf den Markt übertragen und die Gesellschaftsverhältnisse durch die christliche Moralethik stärken.
Während Adam Smith also eine Wirtschaftsideologie aufgrundlage seines Glaubens und existierenden Gesellschaftsverhältnisse seiner Zeit entwarf pervertierten seine ideologischen Nachkommen dieses Modell zu einer neuen Religion.
Einer Religion deren Gott die "Unsichtbare Hand", ihr Himmelreich der "Markt" und ihre Erlösung der "Profit" war.
Denn wie jeder gute Idealist, so hat auch Adam Smith den Menschen nicht bedacht.
Er konnte sich nicht vorstellen, dass der Markt sich durch die unsichtbare Hand nicht selbst regelt. Doch was des Christentums der Teufel ist des Marktes der Mensch.
Der Mensch ist ein Wesen welches in sich zwei Seiten besitz. Das Gute und das Schlechte. Immer dann, wenn er die Chance für sich sieht wird der Mensch alles daran tun, dass er seinen Vorteil daraus zieht. Er kann, wenn er will und so erzogen wurde, aber auch statt Selbstbereicherung Allgemeinmehrung praktizieren und damit der Gutenseite in sich den Vorrang lassen.
Aber auch hier herrscht der Eigennutz, wenn nicht durch weltlichen Profit, so doch durch die Mehrung des eigenen Glücks und die Minderung des äußeren Drucks.
Adam Smith wusste von diesen beiden Seiten im Menschen, dennoch glaubte er das ein freier Markt allen zu Gute käme.
Doch da hatte er sich getäuscht.
Einen freien Markt kann es nur geben, wenn beide handelnden Parteien dieselben Voraussetzungen besitzen. Angebot und Nachfrage also denselben Wert haben.
Dies jedoch gab es weder zu Smith Zeit und erst recht gibt es sie heute nicht.
Denn die Idee des sich selbst regulierenden Marktes ist eine Utopie.
Warum?
Dies kann man an folgendem Beispiel erklären.
Die Ausgangssituation:
Zwei Personen A und B. Beide sind 20 Jahre alt, haben 2 Eltern und 2 Geschwister. Sie haben das Abitur gemacht und interessieren sich für Informatik.
Person A stammt aus einem Elternhaus mit geringen Haushaltseinkommen von 60.000 Euro p.a..
Person B stammt aus wohlhabenden Elternhaus mit hohen Haushaltseinkommen von 250.000 Euro p.a..
Als Abiturgratifikation erhält A 2.500 Euro von seinen Eltern und B 10.000 Euro.
Beide Personen haben zum selben Zeitpunkt, unabhängig voneinander, dieselbe Idee für ein Produkt.
Die Kosten für die Realisierung des Projekts liegen bei jeweils 10.000 Euro.
Person B hat also von Hause aus bereits genug Startkapital um seine Idee ohne lange Verzögerungen umzusetzen. Dadurch kann er sich einen Startvorteil auf dem Markt sichern.
Selbst wenn, nach einer Aufholphase, auch Person A sein Projekt an den Markt bringt so wird er doch, ohne das in Betracht ziehen anderer Faktoren, stets B hinterherhinken oder gar gegen ihn verlieren.
So oder so ähnlich verhält es sich auch bei den Marktgeschehen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Zwischen Händler und Käufer.
Auf dem Smith‘schen Markt herrscht, von Natur aus, kein ausgewogenes Verhältnis sondern stets ein Missverhältnis zum Nachteil des einen und zum Vorteil des anderen.
Ob wir es nun die soziale, die ökologische oder die ökonomische Marktwirtschaft, jede von ihnen enthält in sich die Grundelemente des unausgewogenen Verhältnisses zwischen den handelnden Marktteilnehmern.
Der smith’sche Markt ist nur bedingt zukunfts- und krisenfähig. Er neigt zu einer Verzerrung der freiheitlichen Werte und fördert die ungesunde Ideologie des individualistischen Ich’s.
Auch bekannt als Ellenbogengesellschaft.
Daher bin ich ein Befürworter einer neuen, das Ganze betrachtenden Marktwirtschaft.
Die ganzheitliche Marktwirtschaft ist im Gegensatz zu den bestehenden Marktwirtschaften radikal.
Radikal im Hinblick auf die Unvereinbarkeit von freier Marktwirtschaft und Menschenrecht.
Radikal im Hinblick auf die Unvereinbarkeit von ökonomischer Ausbeutung und Umweltschutz.
Radikal im Hinblick auf die Unvereinbarkeit von Gewinnmaximierung und Menschenwürde.
Radikal im Hinblick auf die Unvereinbarkeit von ungezügelten Kapitalismus und liberaler Gesellschaft.
Radikal im Hinblick auf die Unvereinbarkeit von haftungsfreien Unternehmen und Solidarität.
Radikal im Hinblick auf die Unvereinbarkeit von Ellenbogenmarkt und sozialer Ungleichheit.
Doch was heißt dies genau?
Der ganzheitliche Markt betrachtet nicht allein die Marktinteraktion, sondern die gesamte Gesellschaft. Denn der Markt ist nicht allein auf die Marktinteraktion beschränkt, alle Interaktionen zwischen Käufer und Verkäufer wirken sich auch auf den Rest der Gesellschaft aus oder werden von ihr bestimmt.
Ziel des gesamtheitlichen Marktes muss daher ein freier Wettbewerb von Waren und Dienstleistungen unter der Einhaltung höchster Standards zum Schutz von Menschenrechten, Menschenwürde und Umweltschutz sowie die Förderung von Solidarität und Eigenverantwortung.
Anhand der nach folgenden Aufzählungen hoffe ich das Konzept des ganzheitlichen Marktes etwas besser deutlich zu machen.
- Um angemessene Startbedingungen für alle zu schaffen und somit die smith’sche Ungleichheit auszugleichen sind lebenslange kostenlose Bildung von der Krippe über die Schule bis hin zum Studium notwendig. Gerade in der heutigen digitalen Welt sind zu dem die kostenlose Bereitstellung von technischen Geräten zum digitalen Lernen Grundvoraussetzung. Nicht mehr das Einkommen des Elternhauses soll über die Zukunft eines jeden Menschen entscheiden, sondern seine eigenen Fähigkeiten und seine eigenen Interessen.
- Zur Stärkung dieser Unabhängig von den finanziellen Voraussetzungen des Elternhauses ist die Einführung eines Bedingungslosen Grundeinkommens ein weiterer wichtiger Grundpfeiler des ganzheitlichen Marktes. Er ermöglicht nicht nur die bessere Chance zum sozialen Aufstieg, sondern er gibt jeden Menschen mehr Unabhängigkeit und Verhandlungsfreiheit in der Jobsuche, in der Gestaltung der eigenen Freizeit und in der Erforschung der eigenen Stärken.
- Ein weiterer wichtiger Aspekt des ganzheitlichen Marktes ist neben den zwei grundlegenden Startbedingungen die Zentrierung des Menschen als Mittelpunkt des Lebens. Um dies zu erreichen setzt er auch die eine Arbeitswoche von 4 Tagen mit insgesamt max. 30 Arbeitsstunden.
- Doch nicht nur die Arbeitszeit, sondern auch die Arbeitsbedingungen sind wichtig. Ein menschenwürdiger Mindestlohn, höchste Standards bei Arbeits- und Gesundheitsschutz, Mitspracherecht der Angestellten, eine Reduzierung der Gehaltsspannen durch Deckelung der Gehälter und Bonuszahlungen und die Einführung von tätigkeitsbezogenen Gehaltstabellen schaffen eine Arbeitsumfeld in welchen jeder Mitarbeiter als gleichwertiger Mensch angesehen wird.
- Um die Rechte der Arbeitnehmer zu stärken und dem Menschenrecht im Arbeitsleben mehr Macht zu geben sind Betriebsräte und Gewerkschaften nicht nur ein Recht. Jegliche Bestrebung der Unterbindung von Betriebsräten und Gewerkschaften ist zu verbieten. Unternehmen welche die Gründung und Arbeit von Betriebsräten und Gewerkschaften behindern müssen mit dem Verlust ihrer unternehmerischen Freiheit rechnen. Um den Missbrauch des Rechts auf Betriebsräte und Gewerkschaften zu unterbinden ist der Rechtsweg zwingend notwendig.
- Nicht nur allein im heimischen Markt sind die Menschenrechte zu achten und Verstöße gegen sie gerichtlich zu ahnden, sondern auch im Ausland. Hierfür setzt der ganzheitliche Markt auf eine rigorose Politik des Handelsverbots mit Staaten, Unternehmen und Personen, welche die Menschenrechte missachten. Waren, Rohstoffe und Nahrungsmittel dürfen weder an solche geliefert noch von solchen bezogen werden.
- Auch der Im- und Export sowie die Produktion von Waren und die Erbringung von Dienstleistungen welche durch die Missachtung der Menschenrechte, der Menschenwürde und des Umweltschutzes entstanden gehören verboten.
- Der Schutz des kulturellen Erbes der Menschheit steht über den Interessen von jedweden Bauprojekten jeglicher Art.
- Unternehmen sind dazu zu verpflichten Krisenrücklagen (Mikez-Rücklagen) zu bilden um in Zeiten von ökologischen, finanzwirtschaftlichen und ökonomischen Krisen ihrer Verantwortung als Arbeitgeber gerecht zu werden und die Abwälzung von Personalkosten durch Kündigungen und Kurzarbeitergeld auf die Allgemeinheit zu unterbinden.
- Das Steuersystem ist dahingehend zu reformieren, dass es zum einen keine Bemessungshöchstgrenze kennt und zugleich durch angemessene Steuersätze die Vermögenslage von Gering- und Mittelverdienern stärkt.
- Subventionen für Unternehmen welche aufgrund ihres Unternehmenszwecks oder ihres bisherigen Handelns gegen Menschenrechte, die Menschenwürde oder den Umweltschutz handeln bzw. gehandelt haben sind abzuschaffen. Über staatliche Förderbanken ist Unternehmen die Refinanzierung zur Zinssätzen unter halb der marktüblichen Höhe zu gewähren. Diese Refinanzierung ist allen Unternehmensformen zu gewähren.
- Verschlankung der Rechtsformen und Unternehmensstrukturen, um Outsourcing zum Nachtteil der Angestellten zu minimieren und verantwortungsbewusstes Unternehmertum zu fördern. Kommanditgesellschaften und nicht eingetragene Gesellschaften sind zu abzuschaffen. Unternehmensverschachtelungen sind einzuschränken. (näheres folgt im Laufe des Jahres 12.020 HE mit einer separaten Übersicht zum Thema „Unternehmertum reloaded“)
- Um die Einflussnahme von Lobbyverbänden auf die Gesetzgebung sichtbar zu machen und somit zurück zu drängen sind alle Beteiligten am Gesetzgebungsverfahren und der Ausarbeitung der Gesetze sowie der Entscheidungsgrundlagen namentlich aufzuführen. Desweiten sind Lobbyregistern einzuführen und die Termine aller Abgeordneten, Staatssekretäre und höheren Beamten in Bundesministerien offen zu legen. Kooperationen zwischen Staat und Wirtschaft sind auf das notwendigste Minimum zu reduzieren. Informelle Hinterzimmergespräche sind einzustellen. Transparenz der politischen Arbeit muss stehts oberste Priorität haben, da ein Politiker lediglich als Repräsentant gewählt und damit stets dem Volk, dem Souverän, rechenschaftspflichtig ist.
- Der Handel mit produktionswichtigen Rohstoffen und Nahrungsmitteln ist zu reglementieren und vom allgemeinen Börsenhandel abzukoppeln.
- Einführung eines globalen Länderfinanzausgleichs als Teil der Entwicklungshilfe zur Förderung von strukturschwachen Regionen.
- Einführung von Vermögenssteuern für privates, nicht unternehmensgebundenes Kapital.
- Einführung von Luxusgütersteuern auf Produkte mit einem Verkaufspreis von mehr als 25 Prozent des Herstellungspreises.
- Verbot der geplanten Obsoleszenz und einer Beweispflicht des Herstellers dies nicht anzuwenden. Somit soll die sinnlose Ausbeutung von Rohstoffen minimiert und die Umwelt geschont werden.
- Verbot der Preismanipulation durch künstliche Verknappung von Waren, Rohstoffen und Nahrungsmitteln. Somit soll die Vernichtung von Rohstoffen minimiert und die Umweltgeschont werden. Dazu zählt auch die Aufhebung des Verbots des Containerns.
- Ziel des staatlichen Handelns sollte sich allein auf Bildung und Forschung beziehen und nicht der Förderung und Stützung der Wirtschaft.
- Politische Entscheidungen sollten allein auf wissenschaftlichen Fakten beruhen. Die Wirtschaft hat sich stets ändernder Rahmenbedingungen und die damit einhergehenden Herausforderungen zu stellen. Somit soll eine ganzheitliche Betrachtung und daraus resultierendes Handeln gefördert werden.
- Jegliche Formen von Schiedsgerichten sind zu verbieten. Alle Gerichtsverfahren gegen den Staates unterliegen öffentlichen Interesse und sind daher öffentlich zu führen.
- Zur Unterstützung der Bevölkerung in Krisenzeiten sind staatliche Nahrungsmittelreserven und staatlichen Reserven von medizinischen Gütern in Höhe von mehr als 60 Prozent der Bevölkerung zu bevorraten. Produkte deren Verfallsdatum innerhalb von 3 Monaten abläuft sind den medizinischen und sozialen Einrichtungen kostenlos zur Verfüghung zu stellen. Eine Vernichtung der Güter ist zu unterbinden.
- Strom- und Wasserversorgung sowie Abwasserentsorgung sind zu entprivatisieren und in öffentliche Verwaltung zu überführen.
- Bildungs-, Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen sind in gemeinnützige Rechtsformen zu überführen.
Dies ist nur eine kleine Liste von Dingen die sich ändern müssen damit wir weg vom smith’schen Markt hin zum ganzheitlichen Markt kommen.
Wie man sieht geht der ganzheitliche Markt weit über die Marktinteraktion hinaus und betrachtet die gesamte Gesellschaft in all ihren Bereichen.
Stets ist dabei das Ziel, den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen um ihn ein menschenwürdiges und lebensfähige Leben zu garantieren.
Güter unterliegen nun nicht mehr allein dem Angebot und der Nachfrage. Es ist nun wichtig, wie und unter welchen Bedingungen sie produziert wurden.
Die Teilnahme am Markt ist auch nicht mehr durch das Elternhaus beschränkt sondern durch kostenlose Bildung und freies Kapital hat jeder die Chance sich größtmöglich zu entwickeln.
Durch ein Paket von Verboten und Reglementierungen soll zu dem das Geflecht der Ellenbogengesellschaft entwirrt und der individualistische und zu gleich solidarische Mensch gefördert werden.
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